Der letzte Schnitt – ein mörderisch guter Abend im ehemaligen Sezierraum
Wenn der ehemalige Sezierraum zum Tatort wird, Geschichten plötzlich ganz nah rücken und ein ausgedienter OP-Bestecktisch zum Lesungstisch wird, dann ist klar: Hier findet keine gewöhnliche Krimilesung statt.

Unter dem Titel „Der letzte Schnitt“ wurde das Krankenhaus Schleiden im Rahmen des diesjährigen Krimifestivals „Nordeifel Mordeifel“ am 9. September zum ungewöhnlichen Schauplatz eines ganz besonderen Abends. Und der war nicht nur ausverkauft, sondern auch atmosphärisch kaum zu übertreffen.
Das Krimifestival „Nordeifel Mordeifel“ der Nordeifel Tourismus GmbH fand in diesem Jahr bereits zum achten Mal statt. Nachdem das Krankenhaus Mechernich bereits 2022 im Rahmen des Festivals in der Bettenzentrale zur Lesebühne geworden war, öffnete diesmal das Krankenhaus Schleiden einen Ort, der sonst längst Geschichte ist: den ehemaligen Sezierraum, der bis weit in die 1990er-Jahre genutzt wurde.
Mit viel Liebe zum Detail wurde der Raum für diesen Abend authentisch „wiederbelebt“. Requisiten aus vergangenen Zeiten machten aus dem ehemaligen Funktionsraum einen ebenso ungewöhnlichen wie passenden Veranstaltungsort. Der kaufmännische Direktor Michael Thurm begrüßte die zahlreichen Gäste und brachte es treffend auf den Punkt: „So belebt war dieser ehemalige Sezierraum noch nie.“
Persönliche Geschichten, authentische Kulisse
Den Abend leiteten die beiden Autoren mit einem gemütlichen Gespräch ein. Der Blick zurück auf persönliche Erlebnisse und vergangene Zeiten schuf einen nahbaren Einstieg und machte schnell deutlich: Die Geschichten, die an diesem Abend im Mittelpunkt standen, entstehen nicht im luftleeren Raum.
Im Gespräch schlugen die Autoren die Brücke zum Schreiben ihrer Bücher und gaben Einblicke in ihre persönlichen Hintergründe. Anschließend wurde gelesen – und zwar dort, wo die Geschichten plötzlich noch ein Stück realer wirkten.
Wenn der Krimi auf einmal vor der eigenen Tür spielt
Jo Adler – mit bürgerlichem Namen Tobias Quast – las u.a. seine Kurzgeschichte „Sein letzter Fall“ (Buch: Nordeifel Mordeifel 3), in dem das Krankenhaus Schleiden eine Rolle spielt. Ein besonderer Moment für die Zuhörerinnen und Zuhörer – denn plötzlich war der Schauplatz des Krimis nicht mehr bloß Teil einer erfundenen Geschichte, sondern auch der Ort am Veranstaltungsabend.
Auch persönliche Einblicke kamen nicht zu kurz. So verriet Jo Adler unter anderem, dass er selbst kein Blut sehen könne – ganz im Gegensatz zu seiner Kollegin, die bereits bei einer Obduktion dabei war. Ein Detail, das nicht nur für ein Schmunzeln sorgte, sondern einmal mehr zeigte, wie unterschiedlich die persönlichen Zugänge zum Schreiben von Kriminalgeschichten sein können.
Elke Pistor bereicherte mit ihrem Blick auf die Eifel und ihrer Erfahrung als Krimiautorin den Abend um eine weitere ganz persönliche Perspektive. Sie las aus „Der Prototyp“ vor und entführte die Gäste damit in ihre Krimiwelt.
So wurde der Abend zu weit mehr als einer klassischen Lesung: Er verband Erzählung, persönliche Hintergründe und spannende Ausschnitte aus aktuellen Kurzgeschichten – und das in einem Umfeld, das passender kaum hätte sein können. Wo früher medizinische Realität zum Alltag gehörte, standen nun Literatur und Unterhaltung im Mittelpunkt. Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie außergewöhnlich ein Veranstaltungsort sein kann, wenn Konzept, Geschichten und Atmosphäre so stimmig zusammenspielen.
Ein großer Dank gilt den Organisatoren der GfW Schleiden, die diesen besonderen Abend hervorragend vorbereitet und umgesetzt haben, sowie den beiden Autoren, die diesen Abend zu einem außergewöhnlichen Erlebnis gemacht haben.
Fazit: Es war ein mörderisch guter Abend – mit Spannung, persönlichen Geschichten, viel Atmosphäre und einem Tatort, den es so kein zweites Mal gibt.